Aus der Kirche auf die Kirche – Ein Kunstprojekt des BBK Osnabrück

Aus der Kirche auf die Kirche – Ein Kunstprojekt des BBK Osnabrück zum Lutherjahr im Osnabrücker Landkreis
Im Rahmen des diesjährigen Jubiläumsjahres „500 Jahre Reformation“ zeigt der Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler Bezirksgruppe Osnabrück e.V. (BBK) mit Unterstützung des Kulturbüros des Landkreises Osnabrück ein interessantes und öffentlichkeitswirksames Projekt. In der Zeit vom 08. September bis zum 12. November werden in sechs kreisangehörigen Städten bzw. Gemeinden, in denen die Reformation eine Rolle gespielt hat, Arbeiten des BBK mit einem Outdoor-Beamer in einer Endlosschleife auf öffentliche Fassaden projiziert. Zwölf heimische Künstlerinnen und Künstlern des BBK haben unterschiedlichste Arbeiten zum Thema „Reformation“ gefertigt, die zu einer Videoprojektion zusammengefasst wurden. Zu dieser Projektion wird es einen Flyer geben, der den Betrachterinnen und Betrachtern das Gezeigte näher erläutert. Alle Informationen sind ebenfalls auf der Internetseite www.Luther-Lkos.de zu finden. Die Kosten für die Herstellung und für die Anbringung der Projektion vor Ort übernehmen der BBK und der Landkreis Osnabrück. Die Phänomene Luther, Reformation und Gegenreformation sind ausgesprochen vielfältig. Ob es nun im Zusammenhang mit dem Medienstar Luther, den Bauernkriegen oder auch der Hexenverfolgung oder der Evolution der deutschen Sprache gesehen wird. Entsprechend komplex und vielfältig sind die Kunstwerke der beteiligten Künstlerinnen und Künstler geworden. Sybille Hertel visualisiert die von Luther aufgestellten Thesen als einen übermächtigen Wulst an Papier. Die Dynamik und Strahlkraft scheint die Tore der bekannten etablierten Glaubensauslegung einzudrücken. In einer weiteren Komposition aus abstrakter Form und Text nähert sie sich ebenfalls dem Thema Befreiung durch die Reformation. Margit Rusert verweist auf eine Haltung innerhalb der Reformation, Bildwerke mit Darstellungen Christi und der Heiligen aus den Kirchen zu entfernen. 24 dargestellte weibliche Porträts bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Ikone und Mensch, zwischen Gleichheit und Unterschiedlichkeit, zwischen Vereinheitlichung und Individualität. Manfred Heinze stellt 13 unumstößliche Thesen zusammen, die nichts mit Glauben, sondern vielmehr mit Wissen und Erkenntnis zu tun haben. Der Betrachter findet hier u.a. Auszüge aus dem Deutschen Grundgesetz, aus den Menschenrechten, Zitate von Einstein, Kant, dem Dalai Lama oder Heinz Erhard. Mit einem speziellen Krimi zur Reformation im Landkreis Osnabrück „Osnabrücker Reformanin“ präsentiert sich Tina Schick. „Luther wollte vor 500 Jahren keine neue Weltordnung, sondern Missstände anprangern. So finden nun Hauptkommissarin Johnny Kramer und ihre Freundin Lisa von Suttner Artikel der Menschenrechte an Reformationskirchen im Osnabrücker Landkreis an die Kirchentüren genagelt. Keine Leiche – dennoch ein Verbrechen, das sie nach und nach bei ihren Fahrten durch das Osnabrücker Land aufdecken müssen.“ Eher auf den Typografischen Ansatz legt der Bildhauer Bernd Hildenbrand seinen Fokus. Seine gezeigten Skulpturen erinnern an mittelalterliche Initiale. Dieser abstrakte gelungene Ansatz mit einer plastischen Arbeit ein solch komplexes Thema zu bespielen zeigt die Vielschichtigkeit der Adaptionsmöglichkeiten der Reformation. Ulrike Schönfelder-Hellwig verweist darauf, dass Baumscheiben mit ihren Baumringen etwas über die Entwicklung aussagen und verbindet diese mit konkreten Daten wesentlicher Ereignisse Luthers. Mit einem von ihm zugrunde gelegten selbst gesprochenen Text zeigt Jens Raddatz eine 3D gesteuerte Videoanimation. Die durch das im Text immer wiederkehrende Wort Luthers erzeugten repetitorischen Wellenmuster, erwecken Assoziationen zu Buchdruck und der damit entstehenden Möglichkeit eines in größerer Zahl reproduzierbaren schriftlichen Inhaltes. Die Visualisierung von Schrift durch das gesprochene Wort mit Hilfe technischer Mittel greift die Entwicklung des Gutenbergschen Vervielfältigungsdruckes auf, ohne welchen die reformatorische Bewegung nicht denkbar gewesen wäre. In den Werken von Reinhard Klink schlägt Luther das Buch der Reformation auf und spaltet die Kirche. Seine durchgehend farbenfrohe positive Darstellung setzt einen Gegenpol zu der zum Teil sehr kritischen Betrachtungsweisen anderer Künstler. Jürgen Wendt zeigt mit seinen beiden kurzen Filmbeiträgen auf ironische Weise unsere moderne Mediengesellschaft. Bewusst analog und mit einfachsten Mitteln greift er das Thema Luther auf. Regine Wolf beschäftigt sich mit einem Luther–Portrait, welches Luthers Freund Lucas Cranach ca. 1526 gemalt hat. Sie übermalt es, um es in die heutige Zeit zu übertragen. Dabei lässt sie den Betrachter an der Entstehung ihres Bildes im Zeitraffer teilhaben. Auf ein Plakat haftet der Künstler Alois Thomas Gemeinsamkeiten zwischen Luther und Papst Franziskus. Kerstin Hehmann möchte „Nicht das Trennende, sondern das „Gemeinsame“ betonen.“ Ihre Fotografien beziehen sich auf eigene Erfahrungen aus den 70er Jahren. Sascha Göpel modifiziert Luther digital. Er morpht und verändert Luther in Popart ähnlichem Stil, mal medialer Superstar, mal Mosaik, mal Geldscheinkonterfei.
Die Projektionen werden in den nachfolgenden Städten/Gemeinden gezeigt:
Stadt Quakenbrück 08. – 10. September
Stadt Fürstenau 29. September – 01. Oktober
Gemeinde Belm 13. – 15. Oktober
Gemeinde Berge 20. – 22. Oktober
Gemeinde Bohmte 27. – 31. Oktober
Stadt Bad Iburg 09. – 11. November
Die Kunstwerke werfen Fragen auf zum Reformationsphänomen Luther und möchten die Betrachter motivieren sich mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen und die Frage nach der Aktualität der Reformation, der Kirche heute, zu stellen.