95 Thesen von 95 Menschen – Lichtinstallation an Osnabrücker Dom und Marienkirche ab sofort zu sehen

Pressemitteilung zum Auftakt der Veranstaltungen des Reformationsjubiläums in Osnabrück

"Meine These ist alt, uralt sogar. Aber sie gilt immer noch: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" sagt Tosho Todorovic aus Osnabrück. Für den 65-jährigen Bluesmusiker war sein christlicher Glaube bislang Privatsache. Aber gerade in der heutigen Zeit, in der Menschen Zuflucht bei uns suchten, habe der Glaube für ihn eine besondere Bedeutung bekommen, so Todorovic.

Tosho Todorovic ist einer der Osnabrücker, deren Thesen ab sofort an St. Marien und dem Dom St. Petrus zu lesen sind – am Dom bis zum 20. November, an der Marienkirche bis zum 24. November, täglich von 17 bis 23 Uhr. Studenten der Theologie haben Thesen auf der Internetseite www.2017osnabrueck.de eingereicht, zwei Klassen der Oberschule in Hilter, Verwaltungsangestellte und Arbeitslose genau so wie Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier, Bischof Franz-Josef Bode und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.

„Wir wollten die Osnabrücker Bürger an der Aktion beteiligen“, sagt Christine Grewe, die die Idee zu der Aktion hatte. Die Thesen nur im Internet zu veröffentlichen, das wäre aber nichts Besonderes gewesen: „Das Internet ist groß; der Platz auf den beiden großen Kirchen in der Mitte der Stadt dagegen ist begrenzt. Was hier zu lesen ist, bekommt eine besondere Aufmerksamkeit“, so Grewe.

Und tatsächlich: Gleich nach dem ersten Einschalten der Installation sieht man nach Einbruch der Dunkelheit auf den Plätzen vor der Marienkirche und dem Dom Menschen gemeinsam nach oben schauen.

Die Osnabrücker Künstlerin Nikola Dicke hat rund dreißig der Thesen zu einer akustischen Lichtinstallation verarbeitet. Von elf Thesenschreibern hat sie die Handschrift eingescannt und digital animiert, so dass es aussieht, als würden sie nahezu in Echtzeit auf die Kirchen „schreiben.“ Auch die anderen Thesen wurden kunstvoll in Szene gesetzt: manchmal sind sie nicht von links nach rechts sondern von oben nach unten zu lesen; manchmal blinken einzelne Worte auf. Zu hören ist dabei immer ein leises Hämmern – es erinnert an Luthers Anschlagen seiner Thesen an die Türen der Wittenberger Kirche.

Die Bürgerbeteiligung sei auch deshalb so wichtig, weil die Reformation ohne ein erstarkendes Bürgertum nicht möglich gewesen wäre, sagt Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier als Sprecherin der Trägergemeinschaft, zu der die drei evangelisch-lutherischen Kirchenkreise Stadt und Land Osnabrück, das Bistum, die Universität, Stadt und Landkreis Osnabrück sowie der Landschaftsverband Osnabrücker Land gehören.

Dass zum Auftakt der Reformationsfeiern zu diesem besonderen Jubiläum Thesen an eine evangelische und eine katholische Kirche projiziert werden, das ist bundesweit einmalig. Das gute Miteinander innerhalb der Ökumene in Osnabrück habe den Boden dafür bereitet, gemeinsam die Reformation zu feiern, sagt Domkapitular Reinhard Molitor. Deshalb sei es für das Bistum selbstverständlich gewesen, sich an der Aktion zu beteiligen. „Die 95 Thesen haben uns vor 500 Jahren getrennt; heute tragen sie dazu bei, uns Schritt für Schritt wieder zusammen zu führen“, so Molitor.

An den Kosten für die Lichtinstallation beteiligen sich die Evangelische Landeskirche und das Bistum Osnabrück. Die Aktion ist ein Projekt im Vorfeld des Europäischen Stationenweges, der mit seinem Reformations-Truck vom 23. bis 25. November 2016 in Osnabrück Station macht – als erstem Standort bundesweit, betont Projektkoordinatorin Brigitte Neuhaus.

Fast achtzig Thesen wurden bislang abgegeben – und es können noch viele weitere folgen. „Selbst bei 95 hören wir längst nicht auf“, sagt Brigitte Neuhaus.

Osnabrück, 1. November 2016

+++ Auf Wunsch senden wir Ihnen gern Fotos von der Aktion zu. +++

Bildunterschriften:

1 – Team (v.l.n.r.): Ideengeberin Christine Grewe, Projektkoordinatorin Brigitte Neuhaus, Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier, Künstlerin Nikola Dicke und Domkapitular Reinhard Molitor.

2 – Tosho Todorovic und seine These am Osnabrücker Dom

3 – Marienkirche

4 – Dom

Kontakt für die Presse: Katharina Lohmeyer

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